Archiv für Oktober 2007

Rheinwärts

27. Oktober, 2007

Da sich bei mir einiges im Leben getan hat, wovon ich auf diesem Blog auch berichten will, schließe ich hier die Berichte über meinen Aufenthalt in Kehl während den Semesterferien kurz und bündig mit dem Folgenden ab.

Nachtrag: Zeitraum vom 19. bis 21. September

Ich möchte hier noch über eine wunderschöne, romantische Begegnung schreiben. Ich habe in Kehl eine Freundin gewonnen. Ihr französische Name ist etwas lang, aber das passt auch zu ihrem Charakter. In ihrer Art ist sie sehr schwunghaft, vielfältig und sie erschien mir zur Abenddämmerung in atemberaubender Schönheit. Darf ich sie euch vorstellen: Ihr Name ist „Passerelle des deux Rives“, im Deutschen ruft man sie knapp mit ihrem Spitznamen: „Mimram“. So heißt auch ihr Vater, er ist Architekt, und es handelt sich bei dem wundervollen Geschöpf um eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke, die das Kehler Rheinufer mit dem Straßburger Ufer verbindet.

Die Brücke kam mir sehr entgegen, denn begegnete mir dort ein Wesenzug meiner Zeit in Kehl. Es war eine heilsame, frische Zeit, der Selbstversöhnung und der Lebensfreude. Ich habe ein Bruchstück in meinem Leben, eingebaut in ein Ganzes, genau wie diese Brücke, erlebt.

Es war wirklich ein besonderer Ort.

Passerelles des deux rives Gewaltige Seilsicherung Rhein unter der Brücke

Technisches Detail Selbstportrait mitten auf der Brücke Turm in Kehl jenseits der Brücke

Abenddämmerung über der französischen Seite Straßburger Ufer mit geteiltem Fahrrad- u. Fußweg Die Mimram-Brücke im Mondlicht

Appointment at Kehl harbor

9. Oktober, 2007

Nachtrag, Montag und Dienstag, 17. auf 18. September

Ganz kurzfristig, also ca. 8 h vor Beginn meiner abenteuerlichen Fahrt telefonierte ich mit dem Schiffspfarrer der evangelischen Binnenschifferseelsorge Heino Pönitz – im Grunde ein alter Bekannter – und er lud mich ein, auf meine Anfrage hin, ein paar Tage auf dem Schiff mit ihm unterwegs zu sein.

 

Ich reiste ohne konkreten Reiseplan, mit Fahrrad, mit Schlafsack, Isomatte und meinen sieben Sachen von Stuttgart über Karlsruhe nach Appenweiher – mit dem Zug war ich eine halbe Stunde nach Mitternacht dort. Von dort sollten es noch etwa 20 km bis Kehl sein.

In dieser Nacht habe ich stärker denn je den Segen meines himmlischen Vaters auf meinen Menschenschultern gespürt. Es war einer der besten Abende meines bisherigen Lebens. Dies ist mein männliches Bekenntnis: ohne Karte unterwegs zu sein, mit einem klasse Fahrrad (das Licht funktionierte bei jeder Luftfeuchtigkeit) und der Güte meines WG-Mitbewohners – der mir wohlwissend in allen Fahrradsachen eine Ortlieb-Radtasche und seinen Regenponcho geliehen hatte – und es fing dann an zu regnen wie aus Sturzbächen – aufgrund tiefhängender Wolken . . . Ich war fix durchnässt bis auf die Haut, meinen Wollpulli konnte ich mehrmals auswringen, und so war ich unterwegs, mit einer tiefen Hoffnung unter Gottes Geleit sogar irgendwie rechtzeitig in Kehl zu sein. Gottes Segen um den ich ihn in dieser Nacht mehrmals innständig bat, äußerte sich dann ganz konkret in VW-Busfahrern, die mir Nachts um halb drei den Weg über Odelshofen und Kork nach Kehl beschrieben.

Mehr will ich hier nicht verraten – war es doch auch ein sehr persönliches Erlebnis.

Hafen Kehl

Heino, dessen treuer Wegbegleiter ich in den nächsten Tagen sein sollte – meinte nur: „Ich kann dir für nächstes Mal nur empfehlen unter einer Brücke zu schlafen – das habe ich schon oft gemacht.“ Außer Schlafdefizit bin ich dann aber völlig unversehrt und wohlgenährt + pünktlich in der Hafenstr. 21a angekommen.